Singapur
Der Tigerstaat Singapur entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einem kleinen Handelshafen zu einem der wohlhabendsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten der Welt. Kluge Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie den Finanz- und Dienstleistungssektor legten hierfür den Grundstein. Hinzu kam die strategisch herausragende Lage an der Straße von Malakka – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Erde. Dieses Potenzial erkannten bereits die Briten, die Singapur im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelsstützpunkt ihres Kolonialreiches ausbauten.
Auch touristisch hat Singapur enorm viel zu bieten und lässt sich aufgrund seiner kompakten Größe hervorragend mit nahezu allen Reisezielen Südostasiens verbinden. Auf engstem Raum treffen tropische Mangrovenwälder auf futuristische Architektur, üppig begrünte Hochhäuser auf preisgekrönte Restaurants und moderne Wolkenkratzer auf historische Viertel. Hinzu kommt eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt, geprägt von chinesischen, malaiischen, indischen und europäischen Einflüssen – ein Erbe der jahrhundertelangen Bedeutung Singapurs als internationales Handelszentrum.
Nach Singapur kommen die Menschen, um zu staunen. Das beginnt bereits am Flughafen. Kaum Warteschlangen, keine Hektik, freundliches Personal. Automatisierung, wo immer sie sinnvoll erscheint. Vom Verlassen des Flugzeugs bis vor den Flughafenausgang vergehen bei uns keine dreißig Minuten – inklusive Einreisekontrolle und Gepäckausgabe. Lautlos rollt das Taxi über makellos asphaltierte Straßen. Keine Schlaglöcher, kaum Stau. Im Hotel funktioniert nahezu alles digital, sogar ein kleiner Serviceroboter bringt uns bis vor die Zimmertür. Kurz darauf unternehmen wir unseren ersten Spaziergang durch die Innenstadt und lassen uns bei einer Bootsfahrt über den Singapore River treiben.
Im Wasser treibt kaum Müll. Auf den Gehwegen liegen weder Zigarettenstummel noch Kaugummis. Um uns herum wachsen Wolkenkratzer empor, die wie futuristische Raumstationen wirken. Zwischen Stahl, Glas und Beton gedeihen Palmen und tropische Gärten. Die Luft ist warm und feucht, und vom Dach des Marina Bay Sands dringt fröhliche Musik herüber.
Der Flower Dome in den Gardens by the Bay ist eine gewaltige Glaskuppel, unter der sich die Pflanzenwelt unterschiedlichster Klimazonen versammelt. Orchideen und süßlich duftende Tulpen. Mächtige Baobabs neben stacheligen Kakteen. Die Kontinente scheinen hier nur wenige Schritte voneinander entfernt zu liegen. Zwischen all den bunten Blüten und dem satten Grün sind Skulpturen und liebevoll gestaltete Szenerien arrangiert. Die Luft ist angenehm kühl und leicht feucht – ein wohltuender Kontrast zur tropischen Hitze draußen.
Es geht durch die Innenstadt. Die Straßen entlang, hinein in eine Mall, mit dem Aufzug bis in die oberste Etage und schließlich hinaus ins Freie. Plötzlich sind wir von Bäumen und Schlingpflanzen umgeben. Unter uns breitet sich die Stadt aus. Nahezu jedes Dach ist begrünt, selbst an den Fassaden der Hochhäuser wachsen Pflanzen empor und verleihen der Skyline eine überraschend grüne Note.
Wenig später erreichen wir Chinatown. Es riecht nach Rauch. Jeden Morgen verbrennen Gläubige Papier und Geistergeld in Feuertonnen vor ihren Geschäften oder in den Tempeln. Die Geister sollen wohlgesonnen sein und Glück für den neuen Tag bringen. Auf einer Verkehrsinsel zwischen zwei großen Straßen steht noch immer eine riesige Hahnfigur. Das chinesische Neujahr liegt erst wenige Wochen zurück.
Durch Singapur zu laufen bedeutet, ständig über uralte Traditionen und zugleich über modernste Architektur zu stolpern. Kaum eine andere Stadt vereint Vergangenheit und Zukunft auf so engem Raum.
Auch in den Gardens by the Bay fühlen wir uns wie die Entdecker eines fernen Planeten. Zwischen üppiger Vegetation ragen die Supertrees empor – gewaltige, künstliche Baumkonstruktionen, die Pflanzen, moderne Technik und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Nachts erstrahlen sie in leuchtenden Farben. All der Glanz und das bunte Licht spiegeln sich in den kleinen Seen wider. Schmale Wege schlängeln sich zwischen den futuristischen Bäumen hindurch. Am gegenüberliegenden Ufer dreht sich gemächlich das Riesenrad, während die Skyline Singapurs die Nacht erhellt. In der Luft liegen Magie und die schwere Feuchtigkeit der Tropen.
Der wohl beeindruckendste Gebäudekomplex Singapurs ist das Marina Bay Sands: Drei Wolkenkratzer, die auf ihren Dächern von einer geschwungenen, schiffsähnlichen Plattform miteinander verbunden werden. Ein Denkmal des modernen Konsums – denn die drei Türme beherbergen nahezu alles, was das verschwenderische Herz begehrt: Hotels, Nachtclubs, ein Casino, Einkaufszentren, Boutiquen, Restaurants und Theater. Und ganz oben, auf der Dachterrasse, erstreckt sich der berühmte Infinity Pool mit einer der spektakulärsten Aussichten über die Stadt.
Zusammen mit der geschwungenen Helix Bridge und dem blütenförmigen ArtScience Museum ist das Marina Bay Sands längst zur unverwechselbaren Ikone Singapurs geworden. Kaum ein anderes Bauwerk steht so sinnbildlich für den futuristischen Anspruch dieses kleinen Inselstaates.
Ein Abendessen in einem indischen Foodcourt in einem eher unscheinbaren Stadtviertel. Denn zwischen all dem Glamour besitzt Singapur auch eine schlichte Bescheidenheit und kleine Oasen der Ruhe. Sie sind nicht immer leicht zu finden und manchmal mag die Stadt wie ein asiatisches Dubai wirken: perfekt inszeniert, beinahe zu schön, um wahr zu sein. Doch hinter der glänzenden Fassade der Finanz- und Wirtschaftsmetropole, hinter all den Expats, Investoren und Anzugträgern existiert noch ein anderes Singapur. Straßen und Häuserzeilen, die den Alltag der Menschen zeigen. Gassen, die ruhig und stellenweise ein wenig schmuddelig sind und so gar nicht zum makellosen Image der Stadt passen. Und eben Foodcourts wie dieser, in denen ein einfaches, ehrliches und hervorragendes Essen für wenig Geld auf den Tisch kommt.
Es lohnt sich, Zeit in Singapur zu investieren. Denn erst wer die glitzernde Oberfläche verlässt, entdeckt den eigentlichen Charakter dieser außergewöhnlichen Stadt.
Infos zu unserer Reise
Singapur zählt zweifellos zu den spannendsten Reisezielen Asiens. Das Schöne daran: Der kleine Inselstaat lässt sich nahezu mit jedem Reiseziel in Südostasien hervorragend verbinden. Drei bis fünf Tage solltet ihr für Singapur mindestens einplanen. So lässt sich ein Strandurlaub in Thailand wunderbar mit einem Städtetrip kombinieren. Ebenso bietet sich eine Rundreise durch Malaysia an – schließlich liegt Kuala Lumpur nur rund 300 Kilometer entfernt. Oder ihr setzt mit der Fähre zu den indonesischen Inseln Batam oder Bintan über, die auch bei den Singapurern als beliebte Wochenendziele gelten.
Ebenso eignet sich Singapur hervorragend als Zwischenstopp auf dem Weg nach Australien oder Neuseeland. Trotz seiner vergleichsweise hohen Preise muss eine Reise übrigens nicht unbezahlbar sein: In den zahlreichen Hawker Centres und Foodcourts bekommt ihr ausgezeichnetes Essen für erstaunlich wenig Geld. Dank des hervorragend ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs könnt ihr außerdem nahezu die gesamte Stadt bequem ohne Mietwagen erkunden.
Ihr seht also: Es gibt viele Möglichkeiten, dieses außergewöhnliche Land kennenzulernen.
Singapur zählt zu den teuersten Reisezielen Südostasiens, liegt preislich aber noch immer deutlich unter Städten wie Zürich, London oder New York. Vor allem Unterkünfte und alkoholische Getränke treiben das Reisebudget nach oben. Ein einfaches Hotelzimmer kostet meist zwischen 80 und 150 Euro pro Nacht, gehobene Hotels entsprechend deutlich mehr.
Sparen könnt ihr vor allem beim Essen. In den berühmten Hawker Centres und Foodcourts bekommt ihr hervorragende Gerichte oft schon für 4 bis 8 Euro. Auch der öffentliche Nahverkehr ist vergleichsweise günstig und hervorragend ausgebaut, sodass ihr problemlos auf Taxis oder einen Mietwagen verzichten könnt. Wer auf Luxus verzichtet und bewusst auf günstige Restaurants setzt, kann Singapur deutlich preiswerter erleben, als sein Ruf vermuten lässt.
Singapur ist ein Paradies für Genießer. Chinesische, malaiische, indische und europäische Einflüsse sind hier über Jahrhunderte zu einer einzigartigen Küche verschmolzen. Ob Hainanese Chicken Rice, Laksa, Satay-Spieße, Dim Sum oder würzige Currys – kaum eine andere Stadt bietet auf so kleinem Raum eine vergleichbare kulinarische Vielfalt.
Das Herz der Esskultur schlägt in den Hawker Centres. Diese überdachten Foodcourts, die sogar zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählen, vereinen dutzende kleine Garküchen unter einem Dach. Hier essen Geschäftsleute neben Studenten, Familien neben Touristen – und das oft zu erstaunlich günstigen Preisen. Deutlich teurer wird es dagegen beim Alkohol. Bier, Wein und Spirituosen gehören aufgrund hoher Steuern zu den kostspieligsten in ganz Asien. Ein weiterer Mythos betrifft Kaugummis: Sie sind in Singapur nicht grundsätzlich verboten, ihr Verkauf ist jedoch stark reglementiert. Das erklärt, warum die Straßen der Stadt außergewöhnlich sauber wirken.
Unterkünfte gehören zu den größten Kostenpunkten einer Singapurreise. Für ein einfaches, aber ordentliches Hotel solltet ihr in der Regel 80 bis 150 Euro pro Nacht einplanen, nach oben sind – insbesondere in den Luxushotels – kaum Grenzen gesetzt. Wer etwas sparen möchte, findet Hostels oder Kapselhotels, muss dafür aber meist Abstriche beim Komfort machen.
Empfehlen können wir vor allem Unterkünfte rund um Marina Bay oder Clarke Quay. Von dort erreicht ihr viele Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß oder mit der MRT. Etwas günstiger und zugleich besonders atmosphärisch wohnt ihr in Chinatown oder Little India, wo ihr außerdem eine große Auswahl an Restaurants und Hawker Centres direkt vor der Haustür habt.
Singapur zählt zu den sichersten Reisezielen der Welt. Gewaltkriminalität ist äußerst selten und auch Taschendiebstähle kommen deutlich seltener vor als in vielen anderen Großstädten.
Beachtet außerdem, dass Singapur zahlreiche Gesetze konsequent durchsetzt. Für bestimmte Verstöße – etwa Rauchen in verbotenen Bereichen, Littering oder Vandalismus – drohen empfindliche Geldstrafen. Wer sich an die Regeln hält, kann Singapur jedoch völlig entspannt bereisen.
Kinder werden Singapur lieben! Die Stadt ist sauber, sicher und überraschend grün. Überall gibt es Parks, Spielplätze und kleine Oasen zum Toben und Entdecken. Hinzu kommen zahlreiche familienfreundliche Attraktionen wie das SEA Aquarium, die Gardens by the Bay, Regenwaldpfade, Naturreservate oder große Indoorspielplätze.
Auch im Alltag macht das Reisen mit Kindern großen Spaß. Restaurants und Hawker Centres unterliegen strengen Hygienekontrollen, das hervorragend ausgebaute Netz aus MRT und Bussen bringt euch schnell und bequem durch die gesamte Stadt und dank der kurzen Wege bleibt selbst mit kleineren Kindern genügend Zeit für entspannte Pausen. Singapur gehört für uns zu den familienfreundlichsten Reisezielen Asiens.
Dank seines hervorragend ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs lässt sich Singapur problemlos ohne Mietwagen erkunden. Das MRT-Netz verbindet nahezu alle Sehenswürdigkeiten miteinander und wird durch ein dichtes Busnetz ergänzt. Die Fahrpreise sind günstig, die Fahrzeuge sauber, klimatisert und äußerst zuverlässig. Besonders praktisch ist die wiederaufladbare EZ-Link Card, mit der ihr bequem Busse und MRT nutzen könnt.
Viele Sehenswürdigkeiten rund um Marina Bay, den Singapore River oder Chinatown liegen zudem nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Taxis und Fahrdienste wie Grab sind ebenfalls gut verfügbar und im internationalen Vergleich meist noch bezahlbar. Eine Bootsfahrt auf dem Singapore River können wir euch ebenfalls empfehlen: Sie ist nicht besonders teuer und bietet noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die Skyline und die historische Uferpromenade. Ein eigenes Auto lohnt sich für Touristen dagegen überhaupt nicht.
- Das historisch-wissenschaftliche Standardwerk – jedoch leider etwas in die Jahre gekommen – hat C. M. Turnbull mit A History of Modern Singapore: 1819-2005 abgeliefert.
- Der Singapurische Staatsgründer Lee Kuan Yew erzählt in seinem selbstverfassten Buch From Third World to First: A Statesman’s Powerful Story of Transformation from Poverty to National Leadership, wie es ihm gelang, den kleinen Stadtstaat aus der Kolonialisierung hinaus und in das 21. Jahrhundert hineinzuführen.
- Ein unterhaltsamer Roman des in Singapur geborenen Autors Kevin Kwan ist Crazy Rich Asians – auf den ersten Blick eine leichte Gesellschaftskomödie, aber zwischen Luxusvillen, Hochzeiten und Familienintrigen zeigt Kwan interessante Einblicke in die chinesisch-singapurische Diaspora und soziale Klassenunterschiede.
