Marokko
Sanft erheben sich die sandigen Dünen der Sahara. Die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges thronen am Rand der Wüste. In der Luft liegt der Duft von gegrilltem Lamm, süßen Datteln und staubigen Landstraßen. Hinter jeder Kurve wartet ein kleines Abenteuer – oder zumindest eine herzliche Begegnung bei gezuckertem Minztee und frischem Gebäck. Die Ruinen alter Kasbahs versinken in der Glut der untergehenden Sonne. Flüsse durchziehen das Land, treten in den Wintermonaten über die Ufer und reißen mitunter Straßen und Brücken mit sich.
Marokko, das Königreich des Lichts, hat viel zu bieten. Es ist der Sehnsuchtsort vieler Overlander und Campingtouristen, die dem grauen Winter Mitteleuropas entfliehen wollen. An seiner Nordküste liegen mit Ceuta und Melilla zwei spanische Exklaven – ein sichtbares Zeugnis der engen und zugleich komplexen Verbindung zwischen Europa und Nordafrika. Europa und Afrika, christliche und arabische Kultur, scheinen hier ineinander überzugehen. So nah und zugleich doch so fern.
Einsame Landstraßen führen durch weite Landschaften. Am Horizont zeichnen sich die Gipfel des Atlasgebirges ab. Der Himmel ist strahlend blau, die Luft klar. Für einen Tag im Dezember ist es angenehm warm. Immer wieder fahren wir durch kleine Ortschaften. Vor den Metzgereien hängen geschlachtete Schafe. Überall sitzen Männer in der wärmenden Wintersonne, trinken Tee und unterhalten sich mit Freunden. Wir halten an, wo immer es uns gefällt, pflücken Datteln vom Baum und genießen die Stille.
Hier scheint es keine Zeit, keine Hektik zu geben. Nur den Staub unter unseren Füßen, den Wind um unsere Ohren und die Berge in der Ferne.
Als wir in einem kleinen Dorf anhalten, um ein paar Einkäufe zu erledigen, spricht uns ein älterer Mann an. Gegen ein kleines Trinkgeld, erklärt er, wolle er uns seine Heimat und einige Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zeigen. Wir beraten uns kurz und willigen schließlich ein.
Zunächst führt er uns in einen nahegelegenen Dattelhain. Anschließend rumpeln wir über ausgefahrene Feldwege, durch flache Furten und vorbei an kleinen Feldern zu einer verlassenen Kasbah. Der alte Lehmbau ist erstaunlich gut erhalten. Im Inneren erinnern traditionelle Landwirtschaftsgeräte, Musikinstrumente, ein Grammophon und zahlreiche Alltagsgegenstände an das Leben vergangener Generationen.
Lilafarbenes Morgenlicht fällt auf das uralte Dorf Aït-Ben-Haddou. Ein Fluss plätschert durch das Tal, grüne Palmen säumen seine Ufer. An den Hang schmiegen sich die Lehmhäuser und Befestigungsmauern der Siedlung, die hier seit nahezu tausend Jahren der Sonne und dem Wüstenwind trotzen. Einst lag Aït-Ben-Haddou an einer der bedeutendsten Transsahara-Handelsrouten zwischen Timbuktu und Marrakesch, über die Gold, Salz, Gewürze und andere kostbare Waren transportiert wurden.
Jetzt, zur Morgendämmerung, sind wir die ersten Ausländer in den engen Gassen. Während wir zum höchsten Aussichtspunkt hinaufsteigen, sehen wir weit unter uns bereits die ersten Reisebusse eintreffen. Die Sonne schiebt sich über den Horizont und taucht die Lehmmauern in ein warmes Gold. Unten öffnen die ersten Berber ihre kleinen Läden und schenken sich den ersten, stark gezuckerten Minztee des Tages ein – ein süßer Energieschub gegen die Müdigkeit.
Als wir durch ein kleines, uns unbekanntes Dorf fahren, sehen wir schon von Weitem eine Menschenmenge. Vor allem Kinder und Frauen, vereinzelt auch Männer, strömen zum Marktplatz. Neugierig schieben auch wir uns durch das Gedränge. Umringt von den Bewohnern des Dorfes sitzt ein alter Mann auf dem staubigen Boden. Vor ihm liegen Teppiche, Musikinstrumente, Karaffen, Körbe und allerlei geheimnisvoll wirkende Utensilien.
Zunächst hält er eine Ansprache und spielt mit der Furcht der Kinder vor dem Magischen. Dann lässt er kochendes Wasser aus einer Kanne langsam über seine Hand laufen – gerade langsam genug, dass es unterwegs ausreichend abkühlt. Doch die Zuschauer kreischen begeistert. Einige Männer schlagen einen eindringlichen Rhythmus auf einfachen Trommeln, dazu erklingt brüchiger Gesang. Schließlich hebt der Mann zwei große Schlangen aus ihren Körben und lässt sie vor der Menge tanzen.
Seine Vorführung wird noch lange andauern. Er verspricht Heilung, Schutz und die Vertreibung böser Geister. Am Ende geht ein Beutel durch die Menge. Münze für Münze füllt er sich, bis die Vorstellung schließlich ihren Abschluss findet.
Im Süden Marokkos scheinen sich überall die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges über den Horizont zu erheben. Je nach Sonnenstand verändern die Berge ihre Form und Farbe. Mal schimmern sie bläulich, mal leuchten sie in warmen Rot- und Goldtönen. Sie sind ein allgegenwärtiger Begleiter auf der Reise durch den Süden des Landes.
Mit seinen 4.167 Metern ist der Jebel Toubkal der höchste Berg Nordafrikas und über eine anspruchsvolle zweitägige Wanderung zu erreichen. In den Tälern des Hohen Atlas liegen kleine Berberdörfer, dazwischen erstrecken sich schroffe Felslandschaften und karge Hochgebirge. Der Atlas prägt das Klima Marokkos entscheidend: Er hält einen Teil der feuchten Luftmassen aus dem Norden zurück und bildet damit eine natürliche Grenze zwischen den fruchtbareren Regionen des Landes und den trockenen Landschaften am Rand der Sahara.
Wir sind zu Gast bei Pikala Bike in Marrakesch, einer Non-Profit-Organisation, die sich ganz dem Fahrrad verschrieben hat. In den Tag starten wir mit einer geführten Fahrradtour durch die Altstadt der ehemaligen Hauptstadt des marokkanischen Königreichs. Anschließend kehren wir in die Werkstatt und den Hauptsitz der Organisation ein. Dort würden junge Menschen zu Fahrradmechanikern ausgebildet, erklärt uns die Leiterin vor der lauten Kulisse der Werkräume. Es wird geschweißt, gehämmert und gepumpt. Überall stehen Reifen und Fahrräder herum. Pikala Bike biete in mehreren marokkanischen Städten Sightseeingtouren auf zwei Rädern für Touristen an. Außerdem gebe es Programme, die Mädchen und Frauen an das Fahrradfahren heranführen sollten. Darüber hinaus setze sich die Organisation für eine bessere Radinfrastruktur ein.
Den Nachmittag verbringen wir in den engen Gassen der Medina – einem wahren Labyrinth. Obwohl Marrakesch einiges zu bieten hat, kann uns die Stadt nicht vollends begeistern. Es ist zu voll, zu touristisch und dementsprechend gibt es zu viele Lockangebote und zu viel Aufdringlichkeit.
Rabat ist eine der vier Königsstädte Marokkos und die heutige Hauptstadt des Landes. Die Stadt wirkt deutlich moderner und aufgeräumter als viele andere Orte des Landes, auch das Klima hat sich verändert. Wir haben den ariden, wüstenhaften Süden hinter uns gelassen und sind nun im Norden Marokkos angekommen.
Rabat, direkt am wilden Atlantik gelegen, hat einen Hafen, schroffe Steilklippen und zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten: den Königspalast, einen Leuchtturm, Moscheen, kolonial geprägte Stadtviertel und eine entspannte Medina. Im Vergleich zum quirligen, beinahe chaotischen Marrakesch wirkt Rabat geordnet, fast schon beschaulich. So lassen wir den Tag nach einem entspannten Stadtbummel bei einem hervorragenden Fischgericht in einer kleinen Hafenspelunke ausklingen.
Fès, eine weitere der vier alten Königsstädte Marokkos. Sanfte Hügel, auf denen sich ein Meer aus flachen Häusern ausbreitet. Ein über Jahrhunderte gewachsenes Labyrinth aus Gassen und Häuserschluchten – das ist die alte Medina im Norden der Stadt. An ihrem Rand liegen die historischen Gerbereien. In großen Steinbecken werden Tierhäute gegerbt, gefärbt und verarbeitet. Beißender Geruch liegt schwer in der Luft, während unter uns ein buntes, geschäftiges Treiben herrscht.
Wir verlieren uns in den beschatteten Sträßchen des Marktes, verlieren die Orientierung und schließlich jedes Gefühl für die Strecke, die wir bereits zurückgelegt haben. Die Medina von Fès scheint uns vollkommen verschlungen zu haben. In den Souks herrscht dichtes Gedränge, manche Gassen sind kaum einen halben Meter breit. Irgendwann finden wir doch wieder hinaus aus dem Gewirr und belohnen uns mit einem frisch aufgebrühten Minztee auf der Dachterrasse eines kleinen Cafés.
OUTRO
Infos zu unserer Reise
San Marino lässt sich wunderbar mit einem Urlaub in der Toskana verbinden. Beachtet allerdings, dass ihr – von Westitalien kommend – den Apennin überqueren müsst. Eine richtige Autobahn gibt es nicht und ihr werdet nicht drum herum kommen, einen gewissen Teil bergige und kurvenreiche Landstraße zu fahren. Soll heißen: plant etwas Zeit für die Anreise ein.
Ansonsten ist San Marino ein komfortables und unkompliziertes Reiseziel. Obwohl das Land kein Mitglied der EU ist, gehört es dennoch zur europäischen Zollunion (es gibt also keine Grenzkontrollen) und der Euro ist die ofizielle Währung. Ohnehin könnt ihr vom Espresso bis zum Souvenir alles mit Karte bezahlen. Und da San Marino kaum Mehrwertsteuer erhebt, solltet ihr das ausnutzen, um günstig zu tanken, zu schmausen und zu shoppen.
Für ein europäisches Land ist San Marino ziemlich günstig. Erstens lässt sich ab einem bestimmten Mindestbetrag als Tourist steuerfrei shoppen (bzw. die Steuer lässt sich zurückerstatten) und auch auf Dienstleistungen oder im Restaurant zahlt ihr keine Steuer. Eine leckere Pizza könnt ihr so schon für unter zehn Euro bekommen.
Kulinarisch ist San Marino eng mit der benachbarten Emilia-Romagna verbunden. Die Küche ist bodenständig, einfach und ehrlich. Frische Pasta, Piadina, Käse und luftgetrockneter Schinken stehen auf fast jeder Speisekarte. Vieles wirkt vertraut, manches ein wenig rustikaler als im benachbarten Italien. Gegessen wird ohne großes Brimborium. In den Restaurants der Altstadt sitzen Touristen neben Einheimischen, oft an dicht gestellten Tischen. Ein Espresso gehört immer dazu, ebenso ein Glas Wein aus der Region.
In der Nebensaison war dieser Wohnmobilstellplatz der perfekte Ausgangspunkt für unsere Stadtbesichtigung. Er ist keine zehn Minuten von der Seilbahn in die Altstadt entfernt und liegt relativ ruhig und grün zwischen Bäumen. Mitte Oktober gab es neben uns noch eine handvoll anderer Camper. Im Sommer dürfte der Platz ziemlich überfüllt sein. Es gibt ein Toilettenhäuschen für den gesamten Platz (mit Hocktoilette), das anscheinend jeden Morgen gereinigt wird. Wichtig: Der Platz ist völlig kostenlos. Bei Park4Night findet ihr noch weitere solcher Plätze in und um San Marino.
San Marino ist ein absolut sicheres Reiseziel, vielleicht sogar eines der sichersten in Europa.
Auch für Kinder ist San Marino ein tolles Erlebnis. Das beginnt schon mit der Seilbahnfahrt hinauf zur Alststadt auf dem Monte Titano. Die Innenstadt ist autofrei, ihr könnt euren Nachwuchs also herumtollen lassen. Und zuletzt fühlt sich vor dem Hintergrund der mittelalterlichen Befstigungsanlage wohl jedes Kind in die Zeit von Rittern und Prinzessinnen zurückversetzt – eine großartige Kulisse für Rollenspiele und Abenteuer. Außerdem gibt es tolles und relativ günstiges Essen. Was will man mehr?
Im Land selbst gibt es Busse, um von A nach B zu kommen – auch von Rimini gibt es eine Verbindung. Wenn ihr mit dem Auto anreist, unbedingt auf einem Parkplatz VOR der Innenstadt parken. Seid ihr erst einmal auf dem Monte Titano, könnt ihr euch die wunderbare Stadt zu Fuß erschließen. Aber Achtung: es gibt immer wieder Treppen und steile Wege. Das ist nichts für Rollstühle oder Kinderwagen.
Leider sind uns keine Bücher über San Marino bekannt.
