Chiang Mai

Chiang Mai ist die Pforte zu einem anderen Thailand. Fern der südlichen Traumstrände, abseits der historischen Parks Ayutthayas und Sukhothais, der Wolkenkratzer Bangkoks und der staubigen Ebenen des Isaan. Chiang Mai ist die Rose des Nordens, umgeben von Bergen, reich an Kultur und den Traditionen zahlreicher ethnischer Gruppen. Reisenomaden und Langzeit-Backpacker haben die Region längst für sich entdeckt – als ruhigen Gegenpol zu Thailands Touristenhochburgen und Partydestinationen.

Hier scheint das Leben ein wenig langsamer zu verlaufen. Zwischen alten Tempeln, gemütlichen Cafés und den grünen Berglandschaften des Nordens fällt es leicht zu verstehen, warum viele Reisende nicht nur für ein paar Tage bleiben, sondern Wochen, Monate oder sogar Jahre.

Bells in a Temple

Um nach Chiang Mai zu gelangen – oder von dort wieder aufzubrechen – ist der Zug eine hervorragende Wahl. Gerade der Nachtzug nach Bangkok verbindet die beiden Städte auf bequeme und entspannte Weise. Der Hauptbahnhof von Chiang Mai ist überschaubar und beinahe schon beschaulich, die Zugfahrt selbst erstaunlich komfortabel. Thais, Touristen und Expats reisen dicht auf dicht zusammen. Die Atmosphäre ist gelassen und schnell kommen wir mit anderen Fahrgästen ins Gespräch. Später lassen wir den Sonnenuntergang am Fenster vorbeiziehen, während Dörfer, Reisfelder und kleine Provinzhauptstädte gemächlich an uns vorüberziehen.

Chiang Mai Railway Station
Chiang Mai Railway Station
Chiang Mai Railway Station
Chiang Mai Railway Station

Eine Tour mit dem Fahrrad eignet sich hervorragend, um Chiang Mai zu erkunden: Die Wege sind kurz, es gibt keine Anstiege und der Verkehr ist eher beschaulich.

Noch außerhalb der historischen Altstadt liegt der Wat Buppharam, dessen Ursprünge bis ins ausgehende 15. Jahrhundert zurückreichen. Im Gegensatz zu vielen Tempeln im übrigen Thailand finden sich hier deutlich erkennbare Einflüsse der burmesischen Baukunst. Reich verzierte Holzschnitzereien und farbenprächtige Wandgemälde erzählen Geschichten aus Buddhas Leben und greifen Motive aus der hinduistischen Mythologie auf. Wir bleiben immer wieder stehen, um die unzähligen kleinen Details zu betrachten.

Wat Bopparam
Wat Bopparam
Wat Bopparam

Nur wenige Meter entfernt liegt ein weiterer sehenswerter, wenn auch deutlich kleinerer Tempel: der Wat Mahawan. Er entstand im 17. Jahrhundert während der burmesischen Herrschaft über Chiang Mai. Hier treten die Einflüsse der burmesischen Architektur noch deutlicher hervor und verschmelzen mit den traditionellen Formen der Lanna-Kultur zu einem ganz eigenen Stil.

Hinter dem Tempel erhebt sich das Tha Phae Gate, das östliche Stadttor der historischen Altstadt. Es ist einer der beliebtesten Treffpunkte Chiang Mais und prägt das Stadtbild wie kaum ein anderer Ort. Die mächtigen Stadtmauern und Wassergräben dienten einst dem Schutz des Lanna-Königreichs vor den immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen mit dem benachbarten Burma. Zwischen dem Stadttor und dem Ping-Fluss befand sich das geschäftige Handelsviertel, in dem Händler ihre Waren auf Frachtboote verluden und aus allen Teilen der Region zusammenkamen.

Wat Mahawan
Wat Mahawan
Tha Phae Gate

Tief im Herzen der Altstadt Chiang Mais steht das Denkmal der Drei Könige. Dahinter befindet sich das Kultur- und Kunstzentrum der Stadt. In der Mitte erhebt sich die Statue von König Mangrai, dem Gründer des Lanna-Königreichs und der Stadt Chiang Mai. Zu seiner Rechten steht König Ramkhamhaeng von Sukhothai, der traditionell als Schöpfer des thailändischen Alphabets gilt. Die linke Statue zeigt König Ngam Muang, den Herrscher des Königreichs Phayao.

Der Überlieferung nach verband die drei Könige eine enge Freundschaft und ein Bündnis. Gemeinsam berieten sie über den Standort der neuen Hauptstadt und unterstützten Mangrai bei der Gründung Chiang Mais im Jahr 1296. Bis heute gilt das Denkmal als Symbol dieser historischen Verbundenheit der drei Reiche.

Three Kings Monument

Wo einst drei einzelne Tempelanlagen standen, erhebt sich heute der mächtige Wat Chedi Luang. Bis zu dem schweren Erdbeben von 1545 befand sich hier der berühmte Emerald Buddha, bevor er das Lanna-Königreich verließ und über Luang Prabang und weitere Stationen schließlich nach Bangkok gelangte, wo er bis heute im Wat Phra Kaew verehrt wird.

Der gewaltige Chedi trägt die Spuren des Erdbebens noch immer deutlich. Dennoch beeindruckt die Anlage mit ihrer monumentalen Größe und den reich verzierten Elefantenskulpturen und Nagas. Besucher aus ganz Thailand pilgern hierher, um zu beten oder Opfergaben darzubringen. Dem Tempel scheint es nicht an Spenden zu fehlen – alles wirkt außergewöhnlich gepflegt und von einer beinahe feierlichen Pracht.

Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang
Buddha Statue in a Temple
Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang
Wat Chedi Luang

Ein Trip nach Chiang Mai ist nicht vollständig ohne einen Ausflug in die Natur und den Nationalpark Doi Inthanon. Alles, was Backpackern gefällt, ist im Angebot: Rafting, Klettern, Dschungeltouren, Elefantenwaschen. Die Natur gehört dem Menschen – sie ist seine Spielwiese.

An Wasserfällen vorbei schlängelt sich die Straße hinauf auf den Gipfel des Berges Doi Inthanon. Auch wenn es in der Stadt über 30° Celsius heiß ist, weht hier oben eine kühle Brise und manchmal versinkt der Gipfel in einem Meer aus Wolken. Zum jeweils 60. Geburtstag errichtete die thailändische Armee dem Königspaar ein eigenes Chedi – auf dem Gipfel des höchsten Berges Thailands.

Bergvölker wie die Hmong oder Karen besiedeln den Norden Thailands, aber auch Regionen in den angrenzenden Staaten. An den Touristenorten stehen sie, gekleidet in traditionelle Gewänder. Frauen und ihre Kinder lächeln für ein paar Geldscheine in die Kamera, verkaufen handgefertige Mitbringsel.

Chris Tip

Solltet ihr euch für eine Tagestour entscheidet, achtet darauf, dass ihr einen seriösen und nachhaltigen Anbieter wählt. Manche Tourenanbieter packen schlichtweg zu viel Programm in einen Tagestrip und häufig enthalten diese Touren fragwürdige Aktivitäten wie Elefantenreiten oder der Besuch von ethnischen Minderheiten, die wie Zootiere vorgeführt werden. Wenn ihr euch für den Erhalt und Schutz der thailändischen Elefanten einsetzen wollt, besucht die Save Elephant Foundation, die wir ebenfalls unterstützen.

Tribe People around Chiang Mai
Flowers in Chiang Mai
Flowers in Chiang Mai
Waterfall in the Doi Inthanon Nationalpark

Chiang Mai scheint anders zu sein als die Städte Zentral- und Südthailands. Ist es das verhallende Echo der Lanna-Kultur? Eine Architektur, die sich dem kühleren Klima des Nordens angepasst hat? Die geographische Nähe zu Myanmar und Laos oder der Einfluss der zahlreichen ethnischen Bergvölker? Wir wissen es nicht.

Am Abend sitzen wir am Ufer des Ping-Flusses. Die bunten Lichter der Restaurants spiegeln sich im Wasser. Noch ein kühles Bier, dann geht es weiter zum überfüllten Night Bazaar mit seinen Streetfood-Ständen, Bars und dem Hard Rock Café. Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Stadt: Chiang Mai bietet von allem etwas – Kultur und Natur, Ruhe und Nachtleben, Tradition und Moderne –, aber von nichts zu viel.

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