Surin
An der kambodschanischen Grenze liegt die Provinz Surin. Ganz wie ihre Nachbarprovinzen ist auch Surin geprägt von Landwirtschaft und den Überbleibseln alter Khmer-Ruinen. Die Provinz gehört zu den ärmsten Regionen Thailands: Ihre Tempel scheinen weniger golden, ihre Hauptstadt ist weniger turbulent. Dennoch gibt es hier einige kleine, kulturelle Schätze zu entdecken. Das traditionelle Silberschmiedehandwerk und die Seidenproduktion gehören dazu, ebenso die Zucht und Ausbildung von Elefanten. Die Lokalregierung erhoffte sich dadurch, von Touristen wahrgenommen und bereist zu werden. Der Ansturm blieb bislang aus – die Handwerksstadt Khwao Sinarin wirkt bei unserem Besuch beinahe verwaist. Eine einsame Frau webt an der Hauptstraße an einem großen Seidentuch, der Silberschmied ist überrascht von unserem Erscheinen.
Wir rauschen die Schnellstraße 226 Richtung Surin entlang. Zu unserer rechten Seite ragt plötzlich der weiß-getünchte Kopf eines Buddhas auf. Die untergehende Sonne lässt ihre letzten Lichtstrahlen auf seine Krone fallen und verwandelt sie in pures Gold. Wir wenden und parken im Innenhof des einfachen Klosters. Die Mönche vollziehen im hinteren Teil des Gartens gerade ihre abendliche Waschung: Sie rasieren ihre Köpfe, reinigen sich und binden ihre Gewänder. Hunde streunen zwischen ihren Häusern umher und ein Kind spielt müde in einer Ecke. Nur der Verkehrslärm der direkt angrenzenden Straße durchbricht die stoische Ruhe.
Die Nacht verbringen wir in der Bamboo Conservation Farm – ein Architekt hat hier aus Bambus und Schiffscontainern ein kleines, paradiesisches Resort angelegt. Ein Abend-Bier am Teich, Frühstück auf der Terrasse. Dann brechen wir auf nach Surin. Das Städtchen hat nur wenig zu bieten. Wir halten für ein Foto am Monument des historischen Stadtgründers – ihm gegenüber steht eine Horde von Kriegselefanten. Ihre Aufzucht hat hier lange Tradition, hauptsächlich gepflegt von der ethnischen Minderheit der Kuy, und ist noch heute ein wichtiger Wirtschaftszweig. Auch im Wappen der Provinz Surin findet sich der Elefant wieder.
Surin ist keine Liebe auf den ersten Blick, sie ist vielleicht die Kokosnuss unter den Provinzen. Von außen hart und uninteressant, aber wer sich die Mühe macht und ihr Zeit widmet, der wird an ihr schmackhaftes Innere gelangen. In Surin liegen verborgene Khmer-Kultur, alte Ruinen und Tempelstätten. Eine lange Tradition von Handwerkskunst kann entdeckt werden und wer Ruhe von den Touristenmassen der Strände und Bangkoks sucht, ist hier sowieso genau richtig.
