Buriram
Weite Weidelandschaften erstrecken sich bis an den Horizont. Wasserbüffel ziehen über die Reisfelder. Entlang der Hauptstraßen sind zahlreiche Stände aufgebaut. Alte Frauen verkaufen hier im knappen Schatten eingelegte Tamarinde oder Ananas. Buriram ist eine landwirtschaftlich geprägte Provinz am Rande der heißen Khorat-Hochebene. Viele weiße Einwanderer haben sich in den ruhigen, beschaulichen Dörfern niedergelassen. Sie suchen einen friedvollen Lebensabend in den Armen ihrer oft jüngeren Thaifrauen. Durch Fußball und Motorsport hat die Provinz internationale Bekanntheit erlangt und zieht immer wieder begeisterte Fans in die Chang Arena oder den Chang International Circuit.
Von Süden her kommend führt uns der Weg zuerst in die Stadt Nang Rong. Eine typische Thai-Stadt, in die nur selten Touristen gelangen. Viel Verkehr, viel Lärm um Nichts. Schnell ist man wieder draußen aus der Stadt. Ein paar 7-Elevens, ein paar Obststände. Abends verschlägt es uns auf den kleinen Nachtmarkt, es gibt Suppe und gebratenen Reis. Kaum haben wir gegessen, schließen bereits die ersten Stände. Die Thais sind ein verschlafenes Volk – wo keine Touristen sind, gibt es keine Partys und Bar-Meilen. In den Nebengassen schlendern wir vorbei an Korbmacherläden und Backstuben. Zum Abschluss des Tages lauschen wir einer Live-Band in der Hotelbar, umhüllt von Kunstnebel.
Nicht nur Fußball und schnelle Sportmotorräder hat Buriram zu bieten, sondern auch Jahrhunderte alte Hochkultur. Wichtige Handelswege verbanden Angkor Wat im heutigen Kambodscha mit der Tempelanlage Phanom Rung, eine der bedeutendsten Bauten der Khmer-Herrschaft, die heute in Thailand zu finden ist. Gebaut auf einem erloschenen Vulkan, ist sie Symbol für den heiligen Berg Kailash, den Shiva als Gott der Zerstörung bewohnt haben soll.
Die Sonne brennt auf uns nieder, während wir die hohen Stufen zur Tempelruine erklimmen. Thailändische Touristen schlurfen – gebückt unter ihren Sonnenschirmen – im Schatten der kargen Bäume. Oben angekommen, erstreckt sich das Land weit und idyllisch vor uns. Wir schließen die Augen und stellen uns vor, welch magische Zeremonien hier einst vor tausend Jahren abgehalten wurden. Fackeln und Kerzen, die den Tempel in der Dämmerung beleuchteten. Gesang und in Gewänder gehüllte Tänzer. Gemurmelte Gebete, vielleicht ein Blutopfer. Schreie in der Nacht.
Der Highway führt vorbei am Fußballstadtion und der Motorrennstrecke der beschaulichen Provinzhauptstadt Buriram. Das Bierlabel Chang hat viel Geld in die Hand genommen, um die Namensrechte des Rundkurses zu erwerben. Auf einem Hügel vor der Stadt thront eine alte Ruine, am Stadteingang begrüßt ein großes Monument von Thailands erstem König alle Besucher. Ein verlassenes Hotel, ein Lost Place, steht am Ufer des Wallgrabens. Es hätte Burirams erstes 5-Sterne-Hotel werden können, musste jedoch wenige Wochen nach der Eröffnung wieder schließen: Die Finanzkrise und strukturelle Baumängel sorgten für ein jähes Ende.
Der Buriram City Pillar Shrine ist das spirituelle und historische Herz der Stadt. Im Khmer-Stil neu aufgebaut, ist er eine Reminiszenz an das kulturelle Erbe dieser Region und die längst vergangene Herrschaft der Khmer.
Buriram ist eine halbe Tagesreise von Bangkok entfernt. Gewiss wird diese beschauliche Provinz nicht auf den Reiserouten der meisten Backpacker stehen, dafür hat sie zu wenig zu bieten. Buriram ist vielmehr ein Rückzugsort für all diejenigen, die sich für ein Leben in Thailand entschieden haben, die die Partys und Bars der Großstädte aber satthaben. In den kleinen Dörfern und Städtchen sieht man die ausgewanderten Farangs auf ihren Motorrollen und über Märkte schlendern. Sie sitzen in Restaurants oder Cafés gemeinsam mit ihrer Thai-Familie. Wer noch ein gemütliches, ländliches Thailand erleben möchte, ist hier im Isaan genau richtig.
