Sakaeo

Die Provinz Sakaeo dürfte für die meisten Südostasienreisenden nur ein Durchgangsort sein. Wer vom kambodschanischen Angkor Wat nach Bangkok reist, fährt einmal quer durch diese Provinz. Und wer die Reisfelder und spitzen Berge aus dem Fenster eines Busses im Vorbeifahren betrachtet, könnte schnell zu dem Schluss kommen, dass Sakaeo wenig zu bieten habe.

Genau hierin liegt der Reiz und die stille Idylle dieser Grenzregion. Zwischen netter Langeweile und kleinen, versteckten Juwelen, findet man eine angenehme Ruhe fernab jeglicher Touristenströme. Es lohnt durchaus, einmal aus dem Bus auszusteigen und zwei, drei Nächte hier zu verweilen.

Baan Hug Na Sunflowers

Erst spät erreichen wir die Provinz, sodass wir in vollkommener Dunkelheit über Feldwege rumpeln, um zu unserer Unterkunft zu gelangen. Erst am nächsten Morgen, in goldenen Licht, erkennen wir, in welch malerische Idylle wir hier hineingeraten sind. Sonnenblumen wiegen sich sanft im Wind als wollten sie den Himmel berühren und Lotusblüten öffnen sich dem Tag. Eine Katze streift durch das Gras, ihr Blick ruhig und wissend, als sei sie die Hüterin dieses kleinen Paradieses und den drei schlichten Hütten über dem Teich. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Die Geräusche der Welt werden leiser. Es ist ein Ort der Einkehr, der Erinnerung daran, dass das Wesentliche oft im Einfachen liegt. Kein Luxus, kein Spa, kein Pool – und doch wird dieser Ort einer der schönsten Unterkünfte unserer Reise bleiben.

Während wir frühstücken, steigt die Sonne über die spitzen Berge am Horizont. Die Schatten werden härter, die Temperatur steigt schlagartig. Die Magie des Morgens verfliegt für den Moment.

Baan Hug Na Lotus
Cat at Baan Hug Na
Baan Hug Na Lotus
Baan Hug Na
Baan Hug Na Lotus

Wie ein gigantischer, steinerner Vorhang erhebt sich die Felswand der drei markanten Kalksteinberge. Mehrere Höhlen führen in ihr Inneres. Schon früh am morgen sitzen Mütter und Großmütter am Parkplatz des Höhlentempels Wat Tham Khao Chakan. Sie verkaufen Getränke, Bananen und unnötigen Kram. Ihre Kinder spielen im Schatten, anstatt in der Schule zu sitzen. Banden von Affen flitzen durch die Bäume, streunende Hunde schlafen auf dem Asphalt. Gong-Schläge dringen aus dem nahen Tempel, ein Mönch in orangefarbener Robe kehrt verdorrtes Laub eines Amlabaums zusammen.

Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo

Ein steiler, aber kurzer Aufstieg führt uns hinauf zu einem Aussichtspunkt in der Felswand. Affen folgen neugierig unseren Schritten. Wir passieren einen Schrein, der von einem alten Mönch bewacht wird. Ausdruckslos mustert er uns. Buddha lächelt uns mannigfach und milde entgegen.

Am Aussichtspunkt angekommen liegt ein Panorama aus weiten Feldern, Plantagen, Industriehallen und Hauptstraßen vor uns. Über uns schlafen Fledermäuse in den Spalten des Felsens.

Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Monkey at Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Monkey at Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo
Wat Tham Khao Chakan in Sakaeo

Wir halten für ein Mittagessen in einem modernen Thai-Restaurant an der Schnellstraße. Plötzlich strömt eine Gruppe von amerikanischen Teenagern aus Hawaii herein. Sie sind auf einer Bildungsreise von Vietnam bis nach Thailand, erklärt uns der Reiseleiter, der sich für den Lärm entschuldigt. Bald darauf verlassen wir die Schnellstraße und fahren über kleine Landstraßen immer tiefer hinein in ein dörfliches Thailand, wie es sonst kaum ein Busreisender erleben dürfte.

An einer Schranke lassen wir unser Auto stehen und wandern hinein in eine Landschaft wie aus einem Traum. Wind und Wasser haben in Lalu Skulpturen geschaffen, die von der Zeit erzählen, von Veränderung und Beständigkeit. Die bizarren Formationen wirken wie eingefrorene Bewegungen, als hätte die Erde selbst einen Moment innegehalten, um zu posieren.

Lalu Rock Formations in Sakaeo
Lalu Rock Formations in Sakaeo
Lalu Rock Formations in Sakaeo

Sakaeo hat uns überrascht. Hier gibt es keine reißenden Flüsse, keine Traumstrände, kein Meer, keine sehenswerten Städte und keine majestätischen Tempel. Doch die beschauliche Provinz ist der perfekte Ort, um seine Reise zu unterbrechen, durchzuatmen und sich einmal den kleinen Dingen zuzuwenden. Denn zu oft haken wir Fotomotive und Instagram-Spots ab, bereisen Orte, weil so viele Menschen sie schon vor uns bereist und sie als gut empfunden haben. Die unscheinbaren Wasserfälle, Wälder und Hügel Sakaeos bieten Reisenden eine großartige Chance, in der schnöden Mittelmäßigkeit das Besondere zu entdecken. Das ist gar nicht mal so verkehrt.

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