Kuwait
Kuwait gehört zu den kleineren Monarchien am Persischen Golf. Abgesehen von Kuwait-Stadt gibt es im Land nur eine Handvoll weiterer Städte; dazwischen erstrecken sich weite Wüstenflächen. Eingeklemmt zwischen Saudi-Arabien, Irak, Iran und dem Meer liegt der wohlhabende Ölstaat mit offenen Flanken inmitten einer politisch oft angespannten Region.
Im Zweiten Golfkrieg marschierte der Irak in Kuwait ein und verminte große Teile des Landes. Im Irankrieg 2026 geriet Kuwait erneut unfreiwillig ins Kreuzfreuer zwischen den Fronten. Und dennoch gilt Kuwait heute als vergleichsweise sicheres Land – wenn auch nicht unbedingt als klassische Reisedestination. Es gibt kaum touristische Infrastruktur; die meisten ausländischen Besucher sind Expats, die im Erdölsektor arbeiten.
Für uns war Kuwait das erste arabische Land, das wir je besuchten. Obwohl wir überall freundlich empfangen wurden, fanden wir uns doch in einer völlig anderen und durchaus aufregenden Welt wieder.
Der Morgenmarkt in Kuwait City bietet so manchen kleinen Schatz – und so manche große Kuriosität. Berge von Teppichen türmen sich beinahe bis unter das Dach der Halle, die uns bei 54 Grad im Schatten wenigstens etwas Schutz vor der Sonne bietet. Nebenan stehen meterlange Tische, auf denen vergoldete und kupferfarbene Metallwaren wie Opfergaben aufgebahrt sind: Teetassen, Kannen, Figuren, Messer, Dosen, Untersetzer, Kaffeemühlen, Teller, Karaffen, Schwerter und Dolche. Ein paar Schritte weiter stapeln sich Staubsauger, beim nächsten Händler alte Lautsprecher und Stereoanlagen. Und so geht es immer weiter – hier scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Wer auf der Suche nach gebrauchten Schnäppchen oder überteuerten Unikaten ist, wird hier fündig.
Nach nicht einmal einer Stunde gemütlichen Schlenderns über den Markt sind wir nassgeschwitzt und erschöpft. Im Minutentakt trinken wir Wasser, doch unsere Zwei-Liter-Flaschen sind längst leer. Der klimatisierte Innenraum unseres Wagens, in den wir kurz darauf flüchten, fühlt sich an wie das Paradies – wohltemperiert auf zwanzig Grad.
Unser Gastgeber Aladdin, ein aus Ägypten nach Kuwait migrierter Journalist und mittlerweile Betreiber mehrerer Airbnbs, grinst uns an. „It’s a bit warm today, isn’t it?“ Dann fahren wir weiter zum nächsten Punkt unserer Stadtbesichtigung.
Am Strand herrscht Leere – wie anscheinend überall. Bei Temperaturen von weit über fünfzig Grad Celsius wagt sich kaum jemand nach draußen. Selbst die kürzesten Wege werden im Auto zurückgelegt. Wohnungen, Büros und Einkaufszentren sind klimatisiert; in den Sommermonaten verlässt niemand freiwillig seinen kühlen Rückzugsort. Arbeiten im Freien werden auf die frühen Morgenstunden oder den Abend verschoben.
So gleichen die breiten Straßen von Kuwait City einer Geisterstadt. Nur das Summen der tausenden Klimageräte liegt in der Luft – wie das wütende Brummen eines riesigen Bienenvolks, ein unaufhörliches Hintergrundgeräusch. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Kuwait zu den Ländern mit den höchsten CO₂-Emissionen pro Kopf weltweit gehört.
Nicht weit entfernt ragen die Kuwait Towers in den Himmel. Die drei Wassertürme sind wohl das bekannteste – und vielleicht auch das einzige – Wahrzeichen des Landes. An diesem Augustabend sind die ikonischen Kugeln der Türme in den Farben der spanischen Flagge beleuchtet. Zwei Tage zuvor war ein dschihadistischer Attentäter in Barcelona mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gefahren. Vierzehn Menschen wurden dabei getötet.
Golden färbt die untergehende Sonne den staubigen Abendhimmel über Kuwait City. Im Osten, über dem Meer, liegt bereits die blaue Nacht. Die Skyline ist gesäumt von Kränen; wie in vielen Golfstaaten gehört der stetige Wandel, das unaufhörliche Streben nach mehr und nach dem Größeren zum Wesen von Leben und Wirtschaft. Schließlich, mit dem letzten Strahl der wüstenheißen Backofensonne, beginnt Kuwait-Stadt in bunten Lichtern zu strahlen.
Die Restaurants und Shisha-Bars füllen sich mit Männern in weißen Dishdashas. Auch der Fischmarkt ist nun gut besucht. An den Straßenecken sitzen alte Männer, trinken Tee und führen angeregte Gespräche. Jeden unserer Schritte verfolgen sie mit mürrischer Mine und zusammengekniffenen Augen. Frauen machen einen großen Bogen um uns, beginnen zu tuscheln und zeigen auf uns, wenn wir filmen oder fotografieren. Wir fühlen uns beobachtet – und fremd.
In einem Restaurant am Wasser finden wir schließlich ein gutes Abendessen. Die Temperaturen sind endlich unter fünfzig Grad gesunken – fast schon angenehm, obwohl uns der Schweiß noch immer aus allen Poren tropft.
Mittlerweile haben wir nahezu jeden Staat am Arabisch-Persischen Golf besucht. Kuwait haben wir dabei als den wohl am wenigsten touristischen erlebt; der Zugang zum Land und seinen Bewohnern fiel uns hier am schwersten. Kuwait City strahlt deutlich weniger Glamour aus als etwa Dubai oder Doha. Die Wolkenkratzer wirken niedriger, die Wüste scheint weiter, die Straßen leerer. Zwischen den gläsernen Fassaden liegt eine seltsame Ruhe, als sei die Stadt weniger Bühne für Besucher als vielmehr Arbeitsplatz für jene, die hier leben und arbeiten.
Überallhin folgen uns verschleierte Augenpaare mit ihren Blicken, überall begegnen uns Menschen mit einer Mischung aus Neugier, Zurückhaltung und Vorsicht. Der typische Ausländer hier ist kein Tourist, sondern Expat – Ingenieur, Techniker oder Manager einer der großen Erdölgesellschaften. Touristen wie uns sieht man nur selten. Vielleicht liegt genau darin das Gefühl des Fremdseins: Wir sind nicht Teil der Routine, die sich in dieser Stadt jeden Tag wiederholt.
Kuwait wirkt nicht inszeniert wie manche seiner Nachbarn am Golf. Es gibt kaum oder keine spektakulären Megaprojekte, keine künstlichen Inseln oder perfekt choreografierten Erlebniswelten. Und vielleicht ist es gerade diese Unaufgeregtheit, die Kuwait so schwer zugänglich macht – und zugleich so interessant.
Infos zu unserer Reise
Wir gehen davon aus, dass ihr Bahrain im Rahmen eines Zwischenstopps erkunden werdet. Prinzipiell reicht ein halbtägiger Aufenthalt, um zumindest das Stadtzentrum von Manama zu besichtigen. Optimal sind aber sicherlich 1 bis 2 Tage, um die gesamte Stadt zu entdecken und noch Zeit zu haben, einmal in die Wüste zu fahren. Dafür raten wir euch unbedingt zu einem Mietwagen. In Bahrain läuft alles gemächlich, die wohlhabenden Einheimischen werdet ihr tagsüber kaum zu Gesicht bekommen, alle anderen arbeiten auf den Ölfeldern oder im Dienstleistungssektor. Das alte Fischerviertel beispielsweise erkundeten wir zur Mittagszeit bei gespenstischer Stille. Die Straßen im Land sind ebenfalls leer. Lasst euch also relaxed durch den Wüstenstaat treiben!
Wer zuvor schon die Vereinigten Arabischen Emiraten besucht hat, wird in Bahrain ein interessantes Kontrastprogramm finden. Wir waren erstaunt, dass wir kaum Superlative und Prunk fanden. Es gibt keinen Hype wie um die Emirate und keine Influencer-Szene wie in Dubai. Das fanden wir erfrischend und sehr angenehm.
Wenn ihr Bahrain auf einem Zwischenstopp besucht, habt ihr keine Anreisekosten. Mietwagen und Sprit sind sehr günstig. Ein sauberes und schönes Hotelzimmer bekommt ihr in der Stadt ab etwa 60 Euro, essen könnt ihr ebenfalls günstig bei einem der zahlreichen, lokalen Restaurants. Hier gibt es vorzugsweise arabische und persische Gerichte für kleines Geld.
Bahrainische Speisen sind eine vielfältige Mischung aus arabischen und indischen Einflüssen, die durch die geografische Lage des Landes und seine Handelsgeschichte geprägt sind. Ihr werdet hier Fladenbrote und Baba Ghanoush (Auberginenpüree mit Tahin und Gewürzen) finden. Außerdem gibt es Schawarma (vergleichbar mit dem deutschen Döner) und allgemein Lamm und Fisch.
Hotelzimmer gibt es in allen Preiskategorien. Für etwa 60-70 Euro bekommt ihr ein einfaches Zimmer in Manama, das in einer guten Lage liegt. Ab etwa 100 Euro erhaltet ihr dann weitere Annehmlichkeiten wie einen Swimmingpool, hübschere Einrichtung und eine bessere Lage. Außerhalb von Manama ist nicht viel los – hier gibt es einige Apartments von privat und an der Küste auch Luxusresorts für mehrere hundert Euro pro Nacht.
Bahrain ist ein extrem sicheres Reiseland. Die Kriminalitätsrate ist gering und auch an sonstigen Gefahren habt ihr hier nichts zu befürchten.
Den Aspekt der Kinderfreundlichkeit würden wir in Bahrain als neutral bewerten. Grundsätzlich ist die arabische Kultur sehr kinderfreundlich, allerdings werdet ihr kaum in Kontakt zu den Einheimischen treten – diese halten sich am liebsten in ihren Innenräumen auf. Wenn ihr einen eigenen Wagen habt, könnt ihr das kleine Land bequem bereisen. Manama selbst ist nichts für Kinderwagen – dafür gibt es zu viele kleine, enge Gassen, Stufen und voll gestellte Bürgersteige.
Unsere Empfehlung ist ein eigenes Mietauto. Es kostet nicht viel und bringt euch überall hin. Alternativ könnt ihr euch auch ein Taxi nehmen.
- Für die Reiseplanung und einen guten Einstieg in das kleine Land eignet sich Bahrain: Everything You Need to Know von Noah Gil-Smith
- Ein historisch-politisch-wirtschaftlicher Rundumschlag gelingt Elliot Miller in Bahrain History: The Politics, Governance, National Economy, Population, Tourism
- Marc Owen Jones hingegen setzt sich äußert kritisch mit dem politischen System in Bahrain in Political Repression in Bahrain auseinander
