Dänemark
Es ist Winter. Über regennasse Autobahnen fahren wir Richtung Norden. Immer wieder rütteln kräftige Windböen am Auto. Wir passieren die deutsche Grenze hinter Flensburg und vor uns liegt flaches Land, gleichermaßen umgeben von Nord- und Ostsee. Wir sind in Dänemark – dem vielleicht beliebtesten Urlaubsland der Deutschen.
Das Wetter ist kalt und nass, der Himmel dunkel und trüb. Statt Strand und salzige Meeresluft zu genießen fahren wir gerade über die Storebælt-Brücke nach Kopenhagen. Am Rand der Stadt quartieren wir uns in einem einfachen Airbnb ein, und eine halbe Stunde später stehen wir bereits im Stadtzentrum. Der Regen peitscht uns ins Gesicht und wir sind hungrig. Doch ein Mittagessen für unter hundert Euro zu finden, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Schließlich landen wir in einem etwas in die Jahre gekommenen Thai-Imbiss und essen – zumindest im Warmen – durchschnittliches Pad Thai für fünfzig Euro. Die Stimmung ist gedämpft.
Doch es hilft nichts: Wir ziehen los, den Schal bis über die Nase gezogen, die Mütze tief in die Stirn gedrückt. Mit jeder Minute, die wir durch die Stadt laufen, schwindet der Frust und weicht dem Staunen über diese moderne, innovative Architektur und Stadtplanung. Die Straßen wirken befreit von Autos, das Diktat der Verbrenner scheint gebrochen – Radfahrer bestimmen hier das Bild. Breite, gut beleuchtete Fahrradwege sorgen für Sicherheit, Parkplätze für Autos sind rar und teuer. Erneuerbare Energien erzeugen Fernwärme für die Häuser. Und die Menschen selbst? Sie scheinen vom Wetter vollkommen unbeeindruckt. Sie kämpfen nicht gegen die Dunkelheit und den Winter an wie wir, sondern haben gelernt, mit ihnen zu leben.
Die Freistadt Christiania liegt, von Kanälen und Wasser umgeben, im Herzen von Kopenhagen. Zwischen alten Industriegebäuden aus Backstein und bunten Holzschuppen spielt sich das alternative Leben ab. Langhaarige Männer verkaufen selbstgemachte Waren an kleinen Ständen. Frauen mit ungekämmten Haaren schlurfen zwischen den Häuserreihen umher. In der Luft hängt der penetrante Geruch von Cannabis. Fahrräder und Farben, Wandgemälde und Fähnchen. Eine optische Mischung aus Arbeiterviertel, Kindergarten und Flohmarkt.
Handwerker und Musiker, Trinker und Kiffer, Eltern und Kinder, Junge und Alte, Überzeugte und Mitläufer. Alles hängt zusammen, alles hängt voneinander ab. Protestschilder und Banner weisen auf Widerstand hin: Ablehnung des Staates, Ablehnung einer konservativen und bürgerlichen Gesellschaft. Ablehnung des Kapitals – obwohl es notwendig ist, um auch diese Art von Leben zu finanzieren.
Ein Winterabend in Kopenhagen. In den Kaufhäusern hängt noch der Weihnachtsschmuck, doch die Geschäfte sind leer. Die Menschen genießen zwischen den Feiertagen die wohlige Wärme und Gemütlichkeit ihrer Wohnungen. Das Wasser, das diese Stadt in betonierten und begradigten Kanälen wie Lebensadern durchzieht, liegt als klarer, kalter Spiegel vor uns. Der Abend geht von kräftigem Blau in pechschwarze Nacht über.
Beinahe zärtlich verschwimmen im Kräuseln der sanften Wellen die Lichter der Bürogebäude, der Oper und der Museen. Die bunten Häuser am Nyhavn wirken wie Leuchttürme in der Dunkelheit. Kleine Jollen schaukeln im ruhigen Auf und Ab des Wassers. Über uns breitet sich ein klarer Sternenhimmel aus. Langsam kriecht die Kälte durch unsere Jacken, unsere Zehen und Finger werden taub. Ein schneidender Wind erfasst unseren kondensierten Atem und trägt ihn hinaus in die Nacht.
Wir verlassen Kopenhagen – diese moderne Stadt, von der unsere deutschen Städte so vieles lernen könnten. Zugleich sind wir durchgefroren vom eisigen Wind und pleite von den wahnsinnig hohen Preisen. Nicht umsonst bereisen viele Deutsche Dänemark vorzugsweise mit dem eigenen Camper, gefülltem Kühlschrank und eigenem Bett.
Doch eines ist klar: Wer dem Wetter trotzen kann und sich auch im Sommer auf Wind und Regen einstellt, wird mit freundlichen Menschen, entspannten und sehenswerten Städten sowie einer spannenden Kultur belohnt. Vielleicht liegt genau darin der Reiz Dänemarks – nicht in spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern in der besonderen Art, wie hier Alltag, Architektur, Natur und Lebensgefühl miteinander verschmelzen.
Infos zu unserer Reise
Die Deutschen lieben Dänemark – doch warum eigentlich? Etwas boshaft könnte man unterstellen, dass Deutsche generell eine Schwäche für Orte haben, an denen manches besser funktioniert als in der eigenen Heimat. Denn auf den ersten Blick – und vermutlich auch auf den zweiten – wirkt Dänemark wie ein Vorzeigeland: gutes Sozialsystem, saubere Natur, durchdachte Stadtplanung, moderne Infrastruktur und ein bemerkenswert entspanntes Lebensgefühl.
Doch allein daran kann es kaum liegen. Wahrscheinlich ist die Erklärung viel einfacher: Die Deutschen lieben Nord- und Ostsee – am besten nicht allzu weit entfernt von zu Hause. Ob Niederlande, Schweden oder eben Dänemark: Der Norden übt seit jeher eine besondere Anziehungskraft aus.
Unser Trip nach Kopenhagen blieb bislang allerdings unser einziger richtiger Ausflug nach Dänemark, auch wenn wir auf unserer Schwedenreise 2025 immerhin einmal die Insel Lolland durchquerten und dort auf einem naturnahen Stellplatz übernachteten – inklusive kleiner Wanderung am nächsten Morgen. Kurzum: Unsere Dänemark-Expertise hält sich in Grenzen.
Der Hauptgrund dafür ist tatsächlich das Wetter. Wir lieben große Kontraste, intensive Hitze und möglichst andersartige Eindrücke und Kulturen auf Reisen. Dänemark war deshalb lange nie ganz oben auf unserer Liste. Und trotzdem: Gerade Kopenhagen hat uns überrascht – weniger mit spektakulären Sehenswürdigkeiten als vielmehr mit seiner Lebensqualität, seiner Ruhe und dem Gefühl, dass hier vieles einfach ein wenig besser durchdacht ist.
Dänemark ist deutlich teurer als Deutschland – und das betrifft nach unserem Eindruck nahezu alle Lebensbereiche. Ihr zahlt mehr im Restaurant, im Supermarkt, bei Unterkünften und auch an der Tankstelle. Gerade in den Städten können selbst einfache Mahlzeiten oder kurze Cafébesuche überraschend teuer werden.
Zusätzlich schlagen hohe Mautgebühren – etwa für die Nutzung großer Brücken – sowie mögliche Fährkosten und teure Parkgebühren zu Buche. Besonders in Kopenhagen lohnt es sich daher, das Auto möglichst außerhalb stehen zu lassen und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad zu nutzen. Wer mit dem eigenen Camper reist, Lebensmittel aus Deutschland mitbringt und selber kocht, kann deutlich Geld sparen.
Die dänische Küche wirkt auf den ersten Blick eher schlicht und bodenständig – genau darin liegt aber auch ihr Charme. Klassiker wie Smørrebrød, also kunstvoll belegte Brote mit Fisch, Fleisch oder eingelegtem Gemüse, gehören genauso dazu wie Hotdogs, Zimtschnecken und süßes Gebäck aus kleinen Bäckereien. Generell fällt auf, wie stark in Dänemark auf hochwertige Zutaten, gutes Design und eine gemütliche Atmosphäre geachtet wird – selbst einfache Cafés wirken oft stilvoll und durchdacht.
Gleichzeitig ist Essen gehen teuer. Vor allem in Kopenhagen können Restaurantbesuche schnell ins Geld gehen, selbst wenn man eher unkompliziert essen möchte. Viele Reisende setzen deshalb auf Ferienwohnungen, Camper oder Ferienhäuser mit eigener Küche. Supermärkte sind zwar ebenfalls kostspieliger als in Deutschland, qualitativ aber meist sehr gut aufgestellt.
Hotels in Dänemark sind teuer – insbesondere in Kopenhagen. Für eine Nacht müsst ihr häufig mit Preisen ab etwa 150 Euro aufwärts rechnen, und nur mit etwas Glück findet ihr günstigere Optionen in guter Lage. Gerade in der Hauptsaison können die Kosten schnell noch deutlich steigen.
Es überrascht daher kaum, dass Campingplätze für viele Dänemarkreisende die bevorzugte Lösung sind. Wer mit Camper, Wohnwagen oder Zelt unterwegs ist, spart nicht nur bei der Unterkunft, sondern kann sich auch selbst versorgen und dadurch weitere Kosten reduzieren. Schöne Campingplätze – oft naturnah gelegen, teilweise direkt am Strand oder in unmittelbarer Küstennähe – findet ihr im ganzen Land.
Allerdings solltet ihr beachten: Wildcamping ist in Dänemark offiziell verboten und wird deutlich strenger gehandhabt als etwa in manchen Regionen Schwedens oder Norwegens.
Zum Thema Sicherheit gibt es bei Dänemark tatsächlich nicht viel zu sagen: Das Land zählt in nahezu jeder Hinsicht zu den sichersten Ländern der Welt. Gewaltkriminalität ist selten, die Infrastruktur hervorragend und auch allein oder nachts unterwegs zu sein, fühlt sich meist vollkommen unproblematisch an. Genießt also einfach euren Urlaub – und konzentriert euch lieber auf Wind, Meer und Zimtschnecken.
Aufgrund seiner hervorragenden Infrastruktur, sauberer öffentlicher Einrichtungen, einer ausgezeichneten medizinischen Versorgung und eines hohen Lebensstandards ist Dänemark ein ideales Reiseziel für Familien. Hinzu kommen die kurzen Distanzen innerhalb des kleinen Landes sowie das nahezu überall erreichbare Meer mit seinen tollen und leicht zugänglichen Stränden.
Auch für größere Kinder und Jugendliche hat Dänemark einiges zu bieten: vom Legoland Billund über hervorragende Fahrradrouten bis hin zu spannenden kulturellen Angeboten und Museen. Generell wirkt vieles im Alltag familienfreundlich, entspannt und gut organisiert.
Der einzige kleine Wermutstropfen: Je größer die Familie, desto schneller steigen natürlich auch die Kosten. Gerade Unterkünfte, Restaurantbesuche und Freizeitaktivitäten können einen Dänemarkurlaub spürbar teuer machen.
In Kopenhagen lasst ihr das Auto am besten am Stadtrand stehen und fahrt mit der modernen und zuverlässigen Metro ins Zentrum. Alternativ könnt ihr euch problemlos ein Fahrrad mieten – denn dafür ist Kopenhagen, und eigentlich ganz Dänemark, geradezu prädestiniert. Die hervorragend ausgebauten Radwege machen das Fahrrad oft zum schnellsten und angenehmsten Verkehrsmittel der Stadt.
Abseits der Hauptstadt reist ihr entspannt mit dem Auto durch das Land. Dänemark ist vergleichsweise klein und lässt sich problemlos an einem Tag durchqueren. Die Straßen sind in sehr gutem Zustand und der Verkehr wirkt insgesamt ruhig und geordnet. Beachtet allerdings, dass einige große Brücken sowie bestimmte Fähren gebührenpflichtig sind. Eine allgemeine Straßenmaut gibt es hingegen nicht.
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- Der DUMONT Bildatlas Dänemark: Das praktische Reisemagazin zur Einstimmung präsentiert tolle Infos und Bilder und gibt damit, ganz dem Titel folgend, den perfekten Einstieg ins Dänemarkabenteuer
