Nakhon Nayok

Wir bezahlen den Preis für Ausländer an einem Kassenhäuschen bei einer Parkrangerin in Militäruniform – wie überall im Land gängige Praxis. Danach folgen wir der geschlungenen Straße tief hinein in den Khao Yai Nationalpark. Hinter jeder Kurve halten wir aufgeregt Ausschau nach Elefanten; nicht selten queren sie die Hauptstraßen, haben wir gehört. Der touristische Teil des Parks liegt hauptsächlich in der Provinz Nakhon Nayok, wobei seine gesamte Ausdehnung wesentlich größer ist und sich über drei weitere Provinzen erstreckt. Als Thailands ältester Nationalpark ist er wohl auch der bekannteste – gerade für Touristen in nur wenigen Stunden von Bangkok aus erreichbar und daher ein beliebtes Ausflugsziel für all diejenigen, die vom Großstadtdschungel in den Regenwald fliehen möchten.

Khao Yai Nationalpark

Wir halten an einem Wanderparkplatz an. Eine Gruppe von Niederländern stülpt sich gerade Gamaschen über die Füße und Knöchel zum Schutz vor Blutegeln. Wir belächeln sie, werden bald darauf aber eines Besseren belehrt. Ein ausgetretener Pfad führt durch das ruhige Panorama einer weiten Buschlandschaft, die nur am Horizont von hoch aufragenden Tropenbäumen begrenzt wird.

Nach einer Weile gelangen wir zu seinem Aussichtsturm. Ihm gegenüber liegt ein kleiner Teich mit Sandkuhle; ein beliebter Treffpunkt für Elefanten. Heute allerdings sind hier keine zu sichten. Wie wir später von einem Ranger erfahren werden, sind die Elefantenherden im östlichen Teil des Parks gesehen worden.

Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark

Schlagartig färben sich die Wolken über uns schwarz. Das Licht schwindet. Donnergrollen ganz in der Nähe. Wir stehen mitten im Dschungel, direkt am Fluss. Dann öffnet der Himmel seine Schleusen. Das dichte Blätterdach über uns hält den Regen erst einmal ab. Stattdessen sehen wir Millionen Tropfen auf der Oberfläche des Flusses zerplatzen. Das Prasseln ist ohrenbetäubend laut. Dann dringt der Regensturz durch die Kronen der Bäume und ergießt sich über uns. Binnen Sekunden sind wir durchnässt. Wir beschließen, zum Auto zurückzukehren. Die Angst ist groß, dass das Regencape des Kamerarucksacks nicht mehr lange dicht halten wird. Schade, denn wir waren uns sicher, auf der richtigen Spur der Elefantenherde zu sein. Frische Kothaufen auf dem Pfad und der beißende Geruch von Urin haben uns Hoffnung gemacht, frei lebenden Elefanten zu begegnen.

Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark

Unsere Suche nach Elefanten bleibt weiterhin erfolglos. Stattdessen begegnet uns eine Familie von Affen und ein im Regen Schutz suchender Hirsch. Als Chris sich ihm nähert, um ein Foto von ihm zu knipsen, wirft er ihm einen kurzen Blick zu, dann schaut er gelassen in den Regen. Eine unangenehme Begegnung im Regen offenbart sich Vany beim Zubinden ihrer Schuhe: ein Blutegel hat sich an ihrem Knöchel festgesaugt. Mit einem in Alkohol getränkten Wattebausch werden wir den Parasiten schnell wieder los.

Einfacher ist es hingegen, bunte Blumen zu finden. Immer wieder strecken sie ihre farbreichen Blütenblätter aus dem moosigen Waldboden hervor. Pinke, rote und orange Farbtupfer im ansonsten grünen Dickicht. Lianen, dick wie Männerbeine, hängen dutzende Meter lang zwischen den Bäumen. Kindergroße Farne und Armeen von Pilzen bevölkern die schattigen Bereiche im Unterholz. 

Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark
Khao Yai Nationalpark

Der Regenguss vom Mittag ist in sporadisch einsetzenden Nieselregen übergegangen. Der Himmel ist noch immer eine geschlossene Wolkendecke. Als wir den Khao Yai Nationalpark nach Süden Richtung Bangkok verlassen, brechen noch einmal Sonnenstrahlen durch – kurz darauf geht die Sonne unter und hüllt den Dschungel in tiefe Dunkelheit. Eigentlich hatten wir im Park in einem der Campingplätze zelten und an einer Nachtsafari teilnehmen wollen – das Wetter hatte diesen Plan durchkreuzt. Doch hier gibt es so viel zu entdecken, so vieles zu sehen, dass wir gewiss ein weiteres Mal herkommen werden.